Rückblick.
Am 2. August 2021, kurz nach der Ahrtalflut 2021, veröffentlichten wir den folgenden Text:
„Wie jeden Sonntag bei schönem Wetter machen wir ein schönes Wandertürchen durch unsere Heimat „Das Ahrtal“.
Es ist das neue Ahrtal. Es sieht anders aus als früher.
Man erkennt noch, dass hier vor ein paar Jahren eine kräftige Naturgewalt gewütet hat.
An manchen Orten ist es jedoch schon schöner als jemals zuvor.
Wie mittlerweile jedes Jahr findet am 2. Sonntag im Juli das WeAhrFamily Fest statt. Auf der gesamten Rotweinwanderwegstrecke gibt es kulinarische Köstlichkeiten und besondere Event-Highlights für Jung und Alt. Auch wir wollen es heute besuchen. Wie die letzten 3 Jahre zuvor auch schon.
Vorher machen wir vom WildeAhr-Haus noch einen kleinen Abstecher an unser Ahrflüsschen. Liegt ja auf dem Weg.
Wir schlendern an der Ahr entlang und werfen Steine. So wie früher. Mit den Füßen kühlen wir uns im kleinen klaren Flussufer ab. Die Sonne brennt ganz schön.
Der ein oder andere Kanufahrer kommt auch an uns vorbeigefahren. Wie idyllisch!
Apollo fängt an zu bellen, da er in der Luft ein paar Paraglider entdeckt hat, die vom Skihang in Dernau gestartet sind. Die Paraglider mag er immer noch nicht.
Hubschrauber jucken ihn heute nicht mehr die Bohne. Daran hat er sich bei einer unumgänglichen „Schocktherapie“ vor ein paar Jahren gewöhnt.
Weiter Richtung Rotweinwanderweg stiefeln wir an unserem neuen Einkaufsladen in Rech vorbei. In jedem Ort an der Ahr gibt es jetzt einen kleinen Tante-Emma-Laden mit regionalen Produkten von den Bauern und Produzenten, die uns so sehr in der schwierigen Zeit unterstützt haben. Das Angebot wird von den Bürgern und Touristen sehr gut angenommen.
Ja, es gibt wieder Touristen im Dorf. Nach einem halben Jahr nach der Katastrophe sind die ersten Stammgäste wieder angereist, um Urlaub im Ahrtal zu machen.
Unterwegs zu unserer heutigen Wanderroute treffen wir auf einige Einheimische, die wir in den letzten Jahren so richtig kennengelernt haben. Früher lebte man Tür an Tür und hat gerade mal ein paar oberflächliche Worte gewechselt. Jetzt kennen wir uns richtig, weil wir gemeinsam die schwierige Zeit überstanden und uns gegenseitig geholfen haben.
Wir plaudern über das schöne Wetter und die Weinfeste, die in den nächsten Wochen stattfinden. Kostüme müssen noch genäht werden für den Recher Winzerfestumzug.
Die Weinfeste sehen mittlerweile anders aus. Was überhaupt nicht schlimm ist. Es gibt jetzt ein gemeinsames Weinfest in Altenahr, Mayschoss, Rech und Dernau, das über drei Wochen geht. So gibt es das Wetterrisiko nicht mehr und man unterstützt sich in den Orten bei der Organisation und Vermarktung gegenseitig. Eine Win-Win-Situation für Alle.
Gerade für wandernde Weinliebhaber ist das ideal. Der Rotweinwanderweg dient als Verbindung zwischen den Orten.
Für gehfaule Besucher gibt es auch eine Lösung. Denn: Auch unsere Ahrtalbahn fährt wieder regulär und bringt unsere Weinfestbesucher von A nach B. So wird ein richtiges Weinfest-Hopping geboten, das den Besuchern viel Abwechslung bietet.
Wir verstehen uns an der mittleren Ahr mittlerweile als eins. Denn nur gemeinsam sind wir stark. Jeder bringt seine Stärken ein und davon profitieren alle.
Über Kleinigkeiten wie „Wer bekommt den besten Standplatz?“, über die sich früher noch gestritten wurde, kann man heute nur schmunzeln.
Alle denken jetzt in Gemeinschaften und ziehen an einem Strang.
Man möchte sich weiterhin gegenseitig helfen. Das hat man gelernt. Damals vor vier Jahren.
Wir stiefeln langsam weiter in Rech auf den Rotweinwanderweg. Uns läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Peter Schatz vom Weingut & Restaurant St. Nepomuk grillt oberhalb vom Recher Bahnhof Wildwürstchen und andere Köstlichkeiten. Da greifen wir direkt zu.
Wir schnappen uns noch einen schönen gekühlten Blanc de Noir vom Weingut Hostert und laufen weiter in Richtung Mayschoss den romantischen Weg – so wie wir ihn schon immer kennen und lieben!
Unsere Kinder sind mittlerweile 5 und 8 Jahre alt und sind natürlich auch dabei. Für sie haben wir allerdings nur Traubensaft im Gepäck.
Apollo, unsere Steirische Rauhaarbracke, begleitet uns auch. Früher haben wir ihn selten mit auf Feste genommen, da er nicht so partytauglich war. Mittlerweile ist er ein ruhiger Seniorhund, den wir gut überall mitnehmen können. Er ist jetzt schon 10 Jahre alt und bekannt wie ein „bunter Hund“.
Wir schauen vom Rotweinwanderweg auf unser schönes Weinörtchen Rech. Die Nepomukbrücke sehen wir direkt vor uns. Sie erstrahlt im neuen Glanz und ist für den heutigen Anlass besonders schön geschmückt worden. Wir sind alle so glücklich, dass sie wieder aufgebaut werden konnte.
Etwas dahinter können wir einen riesengroßen Kinder- und Jugendplatz mit tollen Spiel- und Sportmöglichkeiten erkennen. Der Platz wurde von Spendengeldern finanziert. Und natürlich durch unser aller Flaschenpfand. Wir erinnern uns noch daran als wir jede Flasche eifrig gesammelt und abgegeben haben. Wasser trinken für den guten Zweck.
Dieser neue Platz ist einfach nur toll.